Neue Arbeit Diskussionen & Meinungen
zur Sozial- und Arbeitspolitik

  Aktuelles
  Fenster schliessen
 

Neue Arbeit - Forum

Veranstaltungsserie zum 20. Jubiläum der Neue Arbeit
Freitag, 9.Mai 18 Uhr

Die Linke und die Krise der Arbeitsgesellschaft
Die Arbeitsgesellschaft ist am Ende. Doch die Linke will es nicht wahrhaben.
Mit Norbert Trenkle*, Fürth, Redakteur der Zeitschrift "Krisis".

" Die Reichtumsproduktion hat sich im Gefolge der mikroelektronischen Revolution immer weiter von der Anwendung menschlicher Arbeitskraft entkoppelt - in einem Ausmaß, das bis vor wenigen Jahrzehnten nur in der Science-fiction vorstellbar war. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass dieser Prozeß noch einmal zum Stehen kommt oder gar umgekehrt werden kann.

Je unübersehbarer es wird, dass die Arbeitsgesellschaft an ihrem definitiven Ende angelangt ist, desto gewaltsamer wird dieses Ende aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt." (Trenkle u.a. in: " Manifest gegen die Arbeit")

Die Wahlkampfslogans sind noch frisch im Gedächtnis (Halbierung der Zahl der Arbeitslosen, Vollbeschäftigung in 10 Jahren usw.), doch die Realität hat sich schnell wieder gemeldet: die Arbeitsplätze schmelzen weg wie Schnee an der Sonne. Da hilft keine Politikerschelte, da hilft auch kein Lügenausschuß im Bundestag, da hilft kein Gejammer über Globalisierung und da hilft kein Betteln um ein geringeres Tempo beim Sozialabbau. Es ist schlicht zu klären, ob die Arbeitsgesellschaft noch eine Zukunft hat oder nicht. Wenn sie keine mehr hat, müssen wir unsere Zukunft in einer anderen Form von Gesellschaftlichkeit suchen.

Zur Diskussion wurden eingeladen:

attac Konstanz, Andreas Maucher (Aktion Ausbildung),  Anne Mühlhäußer, (Stadträtin Freie Grüne Liste), Sonja Hotz, (Stadträtin SPD), Monika Schickel (Stadträtin PDS),

Karin Binder, Kreisvorsitzende Ver.di, Dieter Bellmann (Neue Arbeit)

*siehe auch den Aufsatz von Trenkle: " Es rettet Euch kein Billiglohn " im Diskussionsforum von www.cherisy.de


Freitag, 23. Mai 18 Uhr

Produktiver Müßiggang statt Erziehung zu Arbeit
Bildung ist nur jenseits des Diktats des Arbeitsmarktes möglich

Mit Prof. Dr. Erich Ribolits* (Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Wien und Graz)

"Muße ist die Antithese zum Arbeitszwang; während Arbeit das Kürzel für fremdbestimmtes Tun darstellt, zielt Muße auf selbstbestimmtes Leben. Eine Schule, die eine derartige Mußeorientierung auch nur in Ansätzen ernst nimmt, dürfte sich nicht als Ausbildungsstätte begreifen, wo Heranwachsende im Sinne wirtschaftlicher Vorgaben zurechtgerichtet werden". (Erich Ribolits)

Die verstärkte Anbindung aller Bildungszweige an die unmittelbaren Erfordernisse " der Wirtschaft" prägt die gesamte Bildungsdiskussion, an den Hochschulen wie in der beruflichen Weiterbildung.

Der Referent wird diesen Ansatz einer radikalen Kritik unterziehen. Er wird historisch darlegen, wie die Förderung der Fähigkeit, sich an äußere Zwänge anzupassen, zum Ziel der Pädagogik im entstehenden Kapitalismus wurde. Diese Anpassungsfähigkeit galt als Grundvoraussetzung, um den Erfordernissen der Arbeit zu genügen.

Anhand von Begriffen aus der aktuellen Bildungsdiskussion wie "Schlüsselqualifikationen", "Selbstorganisation", "Flexibilität" und "lebenslanges Lernen", wird Ribolits zeigen, daß sich dahinter nichts anderes verbirgt, als die Zurichtung der Menschen für einen Arbeitsmarkt, auf dem immer weniger noch eine Chance haben. Der Referent ist Berufsbildungsforscher und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrern berufsbildender Schulen tätig, er weiß also genau wovon er spricht.

Dieser Vorstellung von Ausbildung wird er den Gedanken eines "produktiven Müßiggangs" entgegensetzen und dafür plädieren, daß die Entdeckung der Bedürfnisse der Teilnehmenden und das Nachdenken über den gesellschaftlichen Sinn der zu erlangenden Qualifikation den Inhalt von Bildungsprozessen bestimmen sollten.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem ASTA der Universität Konstanz statt.

*siehe auch den Aufsatz von Prof. Ribolits: " Bildung als Ware? " im Diskussionsforum von www.cherisy.de


Freitag, 6.Juni 18 Uhr

Faulheit - Widerstand gegen Armutslöhne
Die polit-ökonomischen Hintergründe der "Faulenzerdebatte"

Mit Prof. Rainer Roth*, (FH-Frankfurt am Main)

"Es ist klar, dass sich Lohnabhängige gegen Lohnsenkungen wehren. Je tiefer der Lohn fällt, desto mehr halten sie ihre Arbeitskraft zurück, desto "fauler" müssen die LohnarbeiterInnen werden. Was dem Kapital als Faulheit vorkommt, ist in Wirklichkeit Widerstand von Arbeitskräften gegen ihre rücksichtslose Ausbeutung. Die Faulenzerpropaganda dient dazu, die Ausbeutung zu steigern. Die sogenannte Faulheit ist im wesentlichen der Versuch, die Ware Arbeitskraft nicht unter Wert zu verschleudern. So ist die Unverschämtheit der "faulen" deutschen Arbeitslosen zu erklären, die verständlicherweise nicht für 10,43 DM brutto 12 Std. am Tag fürs Spargelstechen zur Verfügung stehen wollen" (Rainer Roth)

Es gibt Menschen, die glauben, Vollbeschäftigung sei dann möglich, wenn Arbeitskraft nur hinreichend billig sei. Wie jede andere Ware würde die Arbeitskraft dann aus den Regalen abgeräumt.

Rainer Roth stellt sich angesichts dieses Zynismus die berechtigte Frage, wozu eine Wirtschaftsordnung gut sein soll, die nur noch zum Preis ständig sinkenden Lebensstandards aufrecht zu erhalten ist. Er wird zeigen, daß eine Beschäftigungspolitik, die sich an " den Marktgesetzen" orientiert, nur noch Elend produzieren kann.

Roth wird auch diskutieren, was kurzfristig getan werden könnte, um die Situation von Lohnabhängigen zu verbessern. Dabei wird es um Steuerpolitik, Arbeitszeitverkürzung, Existenzgeld und Mindestlöhne gehen.

Es wird aber auch um die produktiven Potenziale und Fähigkeiten gehen, die  brachliegen, weil sie nicht profitabel vermarktbar sind, die sich aber unter anderen Bedingungen entfalten könnten, um ein besseres Leben zu ermöglichen.

*siehe auch den Aufsatz von Prof. Roth: " Zu faul für 1.000 DM zu arbeiten? " im Diskussionsforum von

home

Fenster schliessen